WEGE AUS DER DEMOKRATIE

Demokratie war lange Zeit das internationale Wunschkonzert, denn – so hieß es in der Politikwissenschaft – Demokraten führen weniger Krieg als andere. Zudem schien es in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts eine direkte Verbindung zwischen demokratisch legitimierter Regierung und Wohlstand der Bevölkerung zu geben.

Mit wachsenden Einkommensungleichgewichten, schwindender Wahlbeteiligung und der Genese von „Wutbürgern“ und „Mutbürgern“, die den „kommenden Aufstand“ proben, scheint sich das demokratische Glanzlicht verdunkelt zu haben. Das Volk fühlt sich durch die politischen Entscheidungsträger unzureichend repräsentiert; während es den Absichten und Fähigkeiten der Politiker misstraut, misstrauen die Politiker der Entscheidungsfähigkeit des Volkes. „Postdemokratie“, „Mediendemokratie“, „Diktatur der Finanzmärkte“ sind nur einige Begriffe, welche in neuen Analysen das Dilemma des Wahlvolkes zu umschreiben suchen.

Das neuerliche Erstarken nationalistischer und ultra-rechter Parteien oder die prekären Entwicklungen in  Staaten wie Ungarn sowie der Ukraine führen Pragmatikern Karl Jaspers Ausspruch „Die Demokratie setzt die Vernunft im Volke voraus, die sie erst hervorbringen soll“ vor Augen.

In Nordafrika und der arabischen Welt scheint ein vermeintlicher Frühling der Demokratie neuen Aufschwung zu geben. Erweisen sich die etablierten Demokratien als reichlich träge, sind die Menschen in Ägypten, Libyen und Syrien bereit für ihre Ideale – oder zumindest bessere (Über-)Lebensstandards – auf die Straße zu gehen. Es zeigen sich derzeit also sowohl Wege aus als auch in die Demokratie.

Powision sucht für diese Ausgabe Beiträge, die sich mit den Problemen der Demokratie sowohl empirischer als auch theoretischer Art auseinandersetzen. „Wege aus der Demokratie“ meint dabei zunächst die Veränderungen, die den demokratischen Status quo unterhöhlen. Gleichzeitig sollen Konzepte kritisch diskutiert werden, welche „Wege aus dieser Form der Demokratie“ suchen. Dazu können die Streitschrift vom „kommenden Aufstand“ ebenso wie Ideen der „radical democracy“, des steuernden chinesischen Effizienzstaates, aber auch des Bienenstaates (Quesney) herhalten. Genauso können „Wege in die Demokratie“ Gegenstand der Betrachtung sein, beispielsweise mit Blick auf demokratische (Staats-) Bildungsprozesse als „bottom-up“ oder „top-down“-Bewegung.

Der Umfang der Beiträge soll ca. 8000 Zeichen inkl. Leerzeichen und Fußnoten (entspricht etwa 1,5 Seiten mit Times New Roman und Schriftgröße 10) betragen. Zitierhinweise finden sich auf www.powision.de. Zusendeschluss ist der 15.09.2011. Gerne stehen wir für weitere Nachfragen zur Verfügung.

 

 

 

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