TECHNIK UND GESELLSCHAFT

 

Wecker, Computer, Smartphones, Herzschrittmacher und viele Geräte mehr klicken und rechnen jeden Tag um uns herum. Das Internet ist nicht mehr aus Kommunikation und Lebensgestaltung wegzudenken. Bisher profitieren wir vom freien Zugang zu diesem Netzwerk. Dieser gerät aber z.B. durch „3-strikes“-Gesetzesvorschläge in Gefahr. Die Anschuldigung von Urheberrechtsverletzungen soll den Entzug des Internetzugangs rechtfertigen und so zur sozialen Todesstrafe fernab rechtsstaatlicher Kontrolle werden. Hat das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung eine Chance angesichts einer hyperventilierenden Vätergeneration?

Es scheint als sei das Informationszeitalter schon vorbei, noch bevor die Gesellschaft mitwachsen konnte. Sind wir gezwungen in einer Post-Privacy-Gesellschaft der ständigen Selbstdarstellung zu leben? Wie können wir in Zukunft Gesellschaft verändern, wenn scheinbar schon Einträge auf virtuellen Pinnwänden Revolutionen in Gang setzten? Geben uns Social Networks nur das trügerische Gefühl an den Demonstrationen rund um die Welt teilzuhaben, während wir doch faul vor dem Computer sitzen bleiben und zugucken?

Leben wir tatsächlich in einer Zeit, die sich von den vorhergehenden Epochen qualitativ unterscheidet? Unsere Sprache verändert sich durch die neuen Medien und auch unsere sozialen Interaktionen sind so „2.0“ wie noch nie. Wie verändert uns Technik und wie verändern wir sie? Verhalten sich Nerds zur „Paarungszeit“ tatsächlich anders als Menschen, die zur Bedienung des Laptops nur die Maus benutzen? Und warum interessieren sich so wenige Frauen für Technik?

In anderen Regionen der Welt, wo eine Stunde Internet oft mehr kostet als in Deutschland die Flatrate für einen Monat, zeigt sich ein anderes Bild. So ist im Bezug auf neue Technologien in Zentralafrika nur der Abbau des Erzes Coltan von Interesse, das sich später in Handys, Smartphones und Notebooks rund um den Globus wiederfindet. In welchem Stadium befinden sich Digitalisierungsversuche in Entwicklungsländern und welchen Einfluss hat unser Technikgebrauch auf natürliche Ressourcen?

Seit Beginn war die Rüstungsforschung immer wieder Geburtshelfer moderner Technologien. Welcher Phantasien bedienen sich aktuelle Militärprojekte? Können Bits Menschen töten? Wie helfen Whistleblowing- und Leakingplattformen Schuldige zur Verantwortung zu ziehen? Und wie viel Transparenz verträgt eine liquide Demokratie? Wissen die politischen Hebelsteller, was für eine Maschine sie bedienen? Oder sind wir inzwischen Sklaven der Geister, die uns dienen sollten? Und schließlich: welche sozialen, also ‘immateriellen’  Technologien bestimmen unseren Alltag?

Technik hat viele Facetten und steht auf vielfältige Weise in Wechselbeziehungen mit und zu  gesellschaftlichen Prozessen. Für die Ausgabe 12 der Powision suchen wir nach Beiträgen, die sich mit dem Zusammenspiel von Technik und Gesellschaft beschäftigen. Die Beiträge sollten ungefähr 8000 Zeichen (inkl. Leerzeichen und Fußnoten) lang sein und Harvardzitierweise nutzen.

 Zusendeschluss ist der 15.02.2012. Gerne stehen wir für weitere Nachfragen zur Verfügung und schicken auf Wunsch auch ein .pdf der letzten Ausgabe zu.


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