Zu Frieden

Es ist wieder soweit: Powisionplant die achte Ausgabe des Powision-Magazins mit dem Thema „Zu Frieden“.

Der Terminus ‘Frieden’ ist nicht nur etwa bei Verteidigungsministern,
religiösen Führern und Kriegsreportern in aller Munde sondern erfreut
sich auch unter Wissenschaftlern gehobener Aufmerksamkeit.
Ohne jedoch in einen konkreten Kontext gestellt zu werden, verliert er seine analytische Aussagekraft und mutiert vielmehr, wie manch andere Begriffe in der Sozialwissenschaft zum ideologiegeladenen Imperativ. In seiner Geschichte und Gegenwart wurde und wird der Begriff ‚Frieden‘ als Kampfwort für politische Ziele und Teilbezeichnung politischer Gruppierungen verwendet, ebenso wie als Bezeichnung unterschiedlicher gesellschaftlicher Phänomene in der Wissenschaft – oft mit gänzlich verschiedenen Verständnissen davon was ‚Frieden‘ meint. Die Bandbreite der Definitionen von Frieden reicht von der negativ(st)en Auslegung von Frieden als bloße Abwesenheit physischer Gewalt bis zu Entwicklungs- und Zivilisationstheorien, die Frieden als eine Stufe der – nicht unbedingt notwendigen und nicht unbedingt pfadabhängigen – gesellschaftlichen Entwicklung sehen. Dabei nimmt Frieden auch je nach dem ob im lokalen, nationalen oder internationalen oder gar globalen Kontext unterschiedliche Gestalten an.

Eine der wohl bekannteren Theorien ist die absolute Idee des Demokratischen Friedens – formuliert von Johan Galtung und bis heute nicht nur in der Wissenschaft höchst umstritten. Das Verständnis von Frieden ist jedoch nicht nur im akademischen Bereich je nach Forscher und Fachbereich stark variierend. Die Wahrnehmung der von ‚Frieden‘ oder ‚Unfrieden‘ Betroffenen ist ebenfalls hoch differenziert, wie ethnographisch orientierte Studien (besonders) der letzten zwei Jahrzehnte zeigen. Es ist also keine überraschende Feststellung, dass das Verständnis von ‚Frieden‘ relational ist und je nach Kontext unterschiedlich. Diese Unbestimmtheit bildet aber den Reiz und das Problem, welcher/s Frieden allzeit aktuell erscheinen lässt, in Wissenschaft und Praxis. Der vergleichsweise noch junge Forschungszweig der Friedens- und Konfliktforschung, der sich in fast allen Ländern der Welt etablierte, ist ein bedeutender Hinweis auf die Aktualität von (auch lokal begrenzten,) gewaltsamen Konflikten für den globalen und regionalen Frieden, zumal sich dieser Forschungszweig als einer der sehr wenigen zu seiner explizit normativen Ausrichtung bekennt. Ähnlich wie nach den Ursachen von Gewalt, sucht die Friedens- und Konfliktforschung nach den Ursachen von Frieden, in der Hoffnung daraus Empfehlungen für die Friedensbildung ableiten zu können.

Vor diesem Hintergrund hat Powision für die achte (8.) Ausgabe des Powision-Magazins das Thema „Zu Frieden“ gewählt. Wie immer suchen wir Interessierte aus allen Fachrichtungen, die sich an der Debatte um dieses kontroverse Thema als Autoren beteiligen wollen. Unser Wunsch ist es ein möglichst differenziertes Bild über Verständnisse von und Wege zu ‚Frieden‘ zu erstellen, dass letztendlich jedoch fokussiert ist auf die Formen und Bedeutungen von ‚Frieden‘. Dafür können sich metatheoretische Abhandlungen anbieten, Analysen als auch deskriptive Berichte. Gleichfalls sind auch anderen (nicht-)wissenschaftlichen Ausdrucksformen keine Grenzen gesetzt (z.B. Karikaturen, Gedichte, Briefe etc.).

Der Umfang der Beiträge soll ca. 8000 Zeichen inkl. Leerzeichen und Fußnoten (entspricht etwa 1,5 Seiten mit Times New Roman und Schriftgröße 10) betragen, um Harvardzitierweise wird gebeten. Redaktionsschluss ist der 10.01.2010!

Gerne stehen wir für weitere Nachfragen zur Verfügung und schicken auf Wunsch auch ein pdf-Dokument der letzten Ausgabe zu.

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Redaktion “Powision”

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